Die Angst vor dem Zuschnitt

Die Angst vor dem Zuschnitt

Hallo Ihr Lieben,

heute wird es ein bischen psychologisch aber keine Angst, ich habe keinen Fernkurs als Therapeutin belegt, sondern ich möchte eine Verhaltensweise ansprechen von der Ihr unter Umständen auch betroffen seid. Die sogenannten Stoffitis.

Folgende Situation: Ihr seht einen tollen Stoff der euch super gut gefällt und ihr kauft ihn. Egal ob auf einem Stoffmarkt, in einem Onlineshop oder bei einem Händler vor Ort. So weit so gut. Beim Kauf habt ihr auch schon eine ungefähre Vorstellung was aus diesem Stoff irgendwann einmal werden soll. Zuhause angekommen wird das gute Stoffstück erstmal gewaschen, zumindest mache ich das immer so. Nach dem trocknen kommt er erst einmal in das Stoffregal mit der festen Absicht nach Abschluss des jetzigen Projekts genau diesen Stoff anzuschneiden und daraus etwas tolles zu nähen. Zum Beispiel einen tollen Oberteil-Schnitt den ihr bisher noch nie genäht habt aber schon immer mal nähen wolltet.

Endlich ist der Tag gekommen, die Kleine im Kindergarten, der Mann auf der Arbeit, der Haushalt ist unter Kontrolle, Essen ist noch von gestern übrig. Also ab ins Nähzimmer und den tollen neuen Stoff auf dem Zuschneidetisch ausbreiten und das neue, bereits abgepauste, Schnittmuster auflegen. Rollschneider oder Schere in die Hand und los kann es gehen…

So sollte es sein. Doch dann passiert etwas ganz merkwürdiges. Einen innere Stimme die einem Zweifel zuflüstert:

Bist du sicher das du diesen Stoff verwenden willst?

Was ist wenn das Schnittmuster nicht gut passt? Du hast es noch nie genäht!

Wäre doch schade um den schönen Stoff.

Die inneren Zweifel siegen über den Verstand und das gute Stück Stoff wandert zurück ins Regal und es wird die „zweite Wahl“ angeschnitten. Ein Stoff der ganz passabel ist, einem aber nicht vom Hocker reist. Das Nähstück ist fertig, natürlich hat alles gut geklappt und man besitzt ein neues Teil im Kleiderschrank mit dem man zufrieden aber nicht überglücklich ist.

Diese oder ähnliche Situationen hatte ich schon oft. Ich weiß gar nicht warum. Ich traue mich oft nicht, gerade bei neuen Schnitten, ein Lieblingsstoff anzuschneiden. Ich denke immer wenn ich den jetzt anschneide ist er naja weg. Ich kann ihn für nichts anderes mehr nutzen. Das hört sich doch total bescheuert an oder? Für mich ist das ein kleiner Teufelskreis aus dem ich gerade versuche auszubrechen und endlich die Stoffschätze zu vernähen die ich schon so lange im Regal hüte. Übrigens ist dieses Phänomen im Sport bekannt. Im Dart gibt es z.B. die sogenannte Dartitis. Der betroffenen Spieler ist nicht in der Lage den Dartpfeil loszulassen. Sportpsychologen sagen, der Grund, warum der Spieler nicht werfen kann, ist die Angst zu scheitern. Und da ist was wahres dran.

Wenn du den Stoff nicht anschneidest, kannst du ihn nicht versauen

Ganz so weit möchte ich es natürlich nicht kommen lassen und als Beweis habe ich heute einen wirklichen Stoffschatz mitgebracht. Einen echt schönen schwarzen Pailettenstoff von Stoffolino den ich gar nicht lange im Stoffregal versauern lies, sondern ihn einfach so und ohne groß darüber nachzudenken zu einer Tante Hertha von Echt Knorke vernäht habe. Ich habe euch bereits vor einiger Zeit eine Tanta Hertha aus dem schönen Sommersweat mit goldenen Punkten gezeigt. Diese war die zweite, die erste aus dem für mich neuen Schnitt, habe ich aus dem Pailettenstoff genäht. Wahnsinn oder? Ich werde echt noch zur Draufgängerin ?

Ich bin wirklich sehr glücklich über meine Entscheidung und könnte dieses Teilchen wirklich jeden Tag anziehen. Ich hatte diesen Pulli hat am zweiten Tag des Lillestoffs-Festival an und wurden ganz oft angesprochen. Es ist natürlich immer besonders toll, wenn anderen Näherinnen etwas gefällt das man selbst genäht hat.

So und jetzt lasse ich euch, nach so viel Text, noch ein paar Bilder da:

LG Vanessa

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